Koordination: Prof. Dr. Kirsten Wagner
Laufzeit: 01.07.2011-30.06.2013


Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes:


Das Forschungsprojekt untersucht die Möglichkeit eines die verschiedenen Bildmedien und diagrammatischen Darstellungsformen umfassenden Begriffs des Strukturbildes. Der zeichentheoretische Begriff des Strukturbildes geht auf die von Charles Sanders Peirce herausgestellte Strukturähnlichkeit zwischen einem Zeichen und seinem Gegenstand zurück, die eigens das Diagramm als ikonisches Zeichen charakterisiert. Entsprechend gilt das Diagramm als Inbegriff des Strukturbildes, aber auch die Karte wird zu ihm gezählt. Die Beziehung zwischen Diagramm und Karte ist dabei nicht allein zeichentheoretischer Natur. Sie hat ihren historischen Ursprung in der thematischen Kartografie bzw. den Kartogrammen des frühen 19. Jahrhunderts. Neben dem zeichentheoretischen existiert ein fotografischer Begriff des Strukturbildes, mit dem weniger auf die Strukturähnlichkeit, denn auf eine nicht darstellende, generative Fotografie abgehoben wird. Das Forschungsprojekt „Strukturbilder. Zur grafischen Methode in Kunst, Design und Wissenschaft" greift beide Ansätze auf, um zu einem nicht nur zeichentheoretischen, sondern auch historischen und anwendungsbezogenen Begriff des Strukturbildes zu kommen. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die so genannte grafische Methode, die im 19. Jahrhundert die epistemische Praxis so unterschiedlicher Wissenschaften wie der Statistik, der Kriminologie, der Physiologie, der thematischen Kartografie oder der Ökonomie bestimmt und aus der das moderne Diagramm in all seinen Variationen hervorgeht. Kennzeichen der grafischen Methode ist die Verwendung selbstregistrierender Apparaturen sowie neuer bildgebender Verfahren, insbesondere der Fotografie, und ihr Ziel ist die Visualisierung von Strukturen: Strukturen der Bevölkerung, Strukturen eines delinquenten Verhaltens, des animalischen Organismus und seiner Funktionen, des Waren- und Kapitalverkehrs, von Siedlungsstrukturen. In dieser Funktion bestimmt das Strukturbild auch noch die aktuelle Informationsvisualisierung und -grafik, die in gegenwärtigen Untersuchungen zum Diagramm immer wieder Erwähnung findet, bisher aber kaum einer eigenen Analyse unterzogen worden ist. Mit dem Sichtbarmachen der Ordnungen und Muster von sozialen Prozessen oder solchen der Natur ist ein weiterer Aspekt des Strukturbildes benannt.
Das am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Bielefeld angesiedelte Forschungsprojekt beruht auf einer interdisziplinären Kooperation zwischen der Kulturwissenschaft, der Kunstgeschichte, der Philosophie und der Wissenschaftsgeschichte.