FB Gestaltung

FH Bielefeld
Lampingstraße 3
33615 Bielefeld
Partner:

J. Raab

PD Dr. Jürgen Raab
Universität Luzern | Kultur- und sozialwissenschaftliche Fakultät
Universität Konstanz | Fachbereich Geschichte und Soziologie
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Die Sichtbarkeit sozialer Ordnung. Entwicklungslinien und Problemstellungen der Fotografie innerhalb der visuellen Soziologie

Genau besehen ist die Soziologie bereits seit ihren Anfängen auch eine visuelle Soziologie. Insbesondere die Arbeiten von Georg Simmel und Erving Goffman machen darauf aufmerksam, dass eine sich als Erfahrungs- und Wirklichkeitswissenschaft begreifende Soziologie immer eine Beobachtungswissenschaft ist. Denn sehen und gesehen werden, darstellen, inszenieren und deuten, sich und andere bei diesen Verhaltensweisen wahrnehmen und beobachten und dabei selbst wiederum zum ‚Gegenstand’ von Wahrnehmung und Beobachtung werden, sind fundamentale Themen visueller Soziologie. Die Geschichte der technisch-medialen Aufzeichnung, Darstellung und Vermittlung von sozialer Ordnung wird durch die Fotografie eingeleitet. Sie setzt damit das Initial für einen Prozess, in dem die sich zunehmend ausdifferenzierenden Bildmedien ihren je eigenen Status und ihren insgesamt herausragenden Stellenwert im kommunikativen Geschehen sich modernisierender Gesellschaften einzunehmen beginnen.
Konzipiert als Vorüberlegung zum Beziehungsgefüge von medialer Ästhetik, Alltagsverstehen und sozialwissenschaftlicher Analysearbeit rekonstruiert der Vortrag in historischer Perspektive zunächst die Untersuchungsgebiete, Erkenntnisinteressen, Herangehensweisen und Präsentationsformen der Fotografie als Erhebungsinstrument und Analysegegenstand der visuellen Soziologie, bevor er deren aktuelle Herausforderungen und Erkenntnischancen problematisiert. Dabei stehen zwei nur im Zusammenhang zu diskutierende Fragen zur dialogischen Struktur von Fotografien im Zentrum, die anhand ausgewählter Beispiele illustriert werden: Das Problem der Deutung und Bedeutung der internen Kompositionsordnung von Einzelbildern einerseits, sowie jenes der Konstruktion und Rekonstruktion von sozialem Sinn durch das Arrangement von Einzeldarstellungen zu Bildkontexten, und damit zu bildlichen Vergleichsordnungen, andererseits.