U. Binder / M. Vogel
Ulrich Binder / PD Dr. Matthias Vogel
Zürcher Hochschule der Künste
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Bilder, leicht verschoben
Der Vortrag stellt anhand von Fallstudien aus einer größeren empirischen Untersuchung die suggestiv ästhetische Kraft und den affektiven und informativen Gehalt von Fotografien an medialen Schnittstellen dar. Vor allem beim Eintritt in Ausstellungs-, Print- oder Onlinemedien wird die Funktion- und Bedeutung der Bilder neu ausgehandelt. Fotografien reagieren am Ort ihrer Präsentation sehr empfindlich auf das symbolische Umfeld, zudem entfalten kleinste materielle Veränderungen, wie sie etwa in einem Vergleich unterschiedlicher Prints erlebbar werden, eine überraschende semantische Hebelwirkung. Es geht weniger um die Rezeptionsgeschichte eines Bildes und seiner sozialen Praxis, vielmehr ist die Umdeutung einer Fotografie, die eng mit ihrer Reproduktion und ihrer spezifischen materiellen Erscheinung zusammenhängt, von Interesse.
Zuweilen werden die Fotografien mit ihren materiellen und inhaltlichen Qualitäten von den Medienverantwortlichen als Dialogpartner ernst, häufig aber auch für ihre Zwecke in den Dienst genommen. Der Vortrag zeigt auf, dass die meisten Bildanwender und Wissenschaftler im Umgang mit Fotografien nicht zimperlich sind. Sie schreiben die Bilder in ihre jeweiligen Erzählungen und die aktuellen Diskurse ein, ohne weiter auf den früheren Gebrauch und die erfolgte Positionierungen einzugehen. Im Prinzip wird die Bedeutung immer weiter geschrieben, ohne groß Rücksicht auf bereits vorhandenen Informationen zu nehmen. Die ursprünglichen Absichten und Funktionen, die im „Originalabzug“ noch aufscheinen, werden durch den Prozess des Medientransfers – besonders im Medium Ausstellung – verwischt. Manchmal steht diesem Reibungsverlust im Bereich der Information ein Zugewinn des symbolischen Gehalts gegenüber.
Die Fotografien und ihre Produzenten sind jedoch nicht immer Opfer von Bildnutzern, in vielen Fällen erweisen sie sich als widerständig und undiszipliniert. Mit der Tendenz, dass immer mehr Auftrags- und Gebrauchsfotografien als Kunst gehandelt werden, haben auch die Ansprüche an die jeweilige Erscheinungsweise eines Bildes zugenommen. Es ist den Bildproduzenten und -agenturen nicht gleichgültig in welchem Kontext und in welcher Print- oder Druckqualität ihre Aufnahmen erscheinen. Bis hin zur Rahmung und Hängung versuchen zumindest die Fotografen, die sich als Künstler verstehen, die Präsentation ihrer Bilder zu kontrollieren. Sie verstehen diese Prozesse und Anpassungen an einen Kontext als Teil des Werks.
Links:
Forschungsprojekt: Bilder im Medientransfer
www.kunstabwart.ch
